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Deutsche Schachjugend |
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Bericht zum Programmatischer Teil (Schach mit Kindern, Schulschach, DEM, Tag des Schachs, Schacholympiade 2008, Interview mit DSB-Vizepräsident Gieseke, Eigenständigkeit der Bayerischen Schachjugend, Grundsatzreferat zur Bedeutung der allgemeinen Jugendarbeit)
Der programmatische Teil der Versammlung umfasste die Vorstellung der Arbeitsschwerpunkte 2004, sowie einige Projektpräsentationen.
In diesem Zusammenhang beschloss die Jugendversammlung auch ein Positionspapier der DSJ zum Schach mit Kindern.
Neu ist in diesem Jahr das parallel zur Meisterschaft stattfindende U25–Open. Damit soll nicht nur ein Angebot für mitreisende jugendliche Betreuer geschaffen werden, sondern auch für ehemalige Teilnehmer, die zu alt für die DEM sind, aber dennoch das tolle Flair der Meisterschaft genießen wollen! Natürlich können auch die Teilnehmer des Open an dem kompletten Rahmenprogramm teilnehmen.
Das Motto wird auch
in diesem Jahr lauten: „Duell der Städte“, allerdings nach modifizierten Regeln durchgeführt. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Beteiligung
sehr enttäuschend war, soll in diesem Jahr nun ein großer Schritt nach vorne getan werden. Wichtig ist die Unterstützung des Projekts durch die
Landesverbände, in diesem Jahr speziell durch die Landesschachjugenden. Nur mit ihrer Hilfe wird der „Tag des Schachs“ tatsächlich zu einer bundesweiten
Resonanz kommen, wird seine volle Wirkung in der Öffentlichkeit entfalten können. Sie müssen die Vereine direkt ansprechen und für die Veranstaltung
werben. Als Beispiel dient Schleswig-Holstein. Im letzten Jahr tat der Landesverband nichts anderes, als mit einigen Vereinsverantwortlichen zu
telefonieren – keine große PR-Aktion und Aufrufe waren nötig, um Vereine zum Mitmachen zu bewegen. Das Resultat: das kleine Bundesland im Norden
stellte genauso viele Teilnehmerstädte wie alle anderen Länder zusammen!
Die DSJ wird die Veranstaltung aber auch zusätzlich unterstützen. Als zentrale Maßnahme wird sie an dem letzten Augustwochenende ein Zeltlager aufschlagen und mit den teilnehmenden Kindern von dort aus am Tag des Schachs in der Region unterwegs sein. Ein Veranstaltungsort für dieses Zeltlager wird übrigens noch gesucht!
Weiterhin stellt der DSB den Vereinen ganz neue Werbematerialien zur Verfügung.
Mit ein bisschen Glück steht uns in naher Zukunft ein Großereignis der besonderen Art ins Haus. Die Stadt Dresden und der Deutsche Schachbund
bewerben sich um die Schacholympiade 2008! Die Schacholympiade zählt zu den größten Sportveranstaltungen der Welt und wird entsprechend weite Kreise
ziehen.
Erhält Dresden den Zuschlag, so soll die Zeit bis 2008 dazu genutzt werden, das deutsche Schach vom Kopf auf die Füße zu stellen. Mit diesem Zugpferd soll Schach breitenwirksam in die Öffentlichkeit getragen werden und der Sport endlich „aus den Hinterzimmern“ heraustreten.
Betont werden muss an dieser Stelle: die Kosten, sowie die Risiken der Ausrichtung der Schacholympiade werden nicht vom Schachbund selbst getragen, sondern von Stadt, Land und weiteren Geldgebern. Die in dem Zusammenhang mit der Olympiade diskutierten Beitragserhöhungen im DSB werden nur und ausschließlich eingesetzt für Maßnahmen, die dem deutschen Schach selbst zu gute kommen. Aus DSJ-Sicht sollen z.B. in der dreijährigen Vorlaufzeit zahlreiche Maßnahmen im Schulschach durchgeführt werden und ein Olympiacamp für Kinder und Jugendliche könnte ein Projekt während der Olympiade selbst sein.
Die Zeit bis zur Schacholympiade soll dazu genutzt werden, die Schachorganisation offener und kreativer zu gestalten, die Vereine in die Öffentlichkeit zu locken und so letztlich auch die Mitgliederzahlen zu steigern. Die Schacholympiade bietet eine herausragende Chance, Schach als interessante und herausfordernde Sportart zu positionieren.
Im Rahmen eines Interviews stellte er den Delegierten die derzeitige Situation im
Schachbund vor. In erfrischender Offenheit analysierte er die Schwachstellen, die seit langem die Weiterentwicklung in der deutschen Schachorganisation
erschweren. Das Bild des „trägen Tankers“ DSB, das er selbst vor wenigen Jahren prägte, habe sich noch nicht maßgeblich verändert. Die Möglichkeiten
programmatischer Veränderungen und Neuerungen seien nach wie vor beschränkt, die programmatische Arbeit insgesamt immer noch nicht in das Blickfeld
vieler Verantwortlicher gerückt.
Aber Gieseke zeigte sich zuversichtlich, dass die zum nächsten Bundeskongress vorgelegte Strukturreform ein erster Schritt in die richtige Richtung sei. Viel notwendiger sei aber ein Mentalitätenwechsel bei den Funktionären. Der Mut zur Veränderung müsse wieder größer werden, die Unterstützung der Vereine stärker in den Vordergrund treten. Dies sei natürlich das deutlich größere Hindernis auf dem Weg zu einem modernen Verband. Insbesondere die Aufgabe der Jugend sei es nun, den DSB weiter hinter sich her zu ziehen, die gute Arbeit der letzten Jahre fortzusetzen und die Bedenkenträger so weiter anzutreiben.
Auch Gieseke stellte die Bedeutung der Schacholympiade bei dieser zentralen Aufgabe heraus. Die Olympiade biete genau diese Möglichkeit eines Mentalitätenwandels, der das gesamte deutsche Schach erfassen und so auch den DSB weiterbringen könne.
Hier wurde die Schachjugend zu einem selbstständigen eingetragenen Verein (e.V.)
umgewandelt. Das Thema Eigenständigkeit der Schachjugenden wurde auch im letzten Jahr auf der Jugendversammlung diskutiert. In der Sportlandschaft kann
das bayerische Modell nun als eine Art Pilotprojekt betrachtet werden, weshalb Helmut Stadler (Foto), Vorsitzender der Bayerischen Schachjugend (BSJ),
darüber berichtete.
Speziell in Bayern ging diese Entwicklung vom Erwachsenenverband aus, der nicht länger die Haftung für die Handlungen der Schachjugend übernehmen wollte. Durch die neue Eigenständigkeit liegt diese nun direkt bei der BSJ.
Ein zentraler Punkt in diesem Modell ist die Finanzierungsfrage. Nach der Einigung hat die BSJ nun die Beitragshoheit über die Mitgliedsbeiträge der unter 25jährigen. Damit kann sie von Mitgliederzuwächsen in dieser Altersklasse direkt profitieren. Der Landesverband hat darüber hinaus weitere Verpflichtungen der BSJ übernommen.
Zweiter wichtiger Punkt ist der Einfluss der BSJ im Landesverband. Die BSJ ist nicht nur im erweiterten Präsidium, sondern auch im Kongress vertreten – mit der Stimmenzahl eines mittleren Bezirks, konnte also hier an Einfluss hinzugewinnen. Allerdings gibt es bestimmte Einschränkungen der Eigenständigkeit, die die grundsätzliche Anbindung der Schachjugend an den Erwachsenenverband garantieren sollen.
Die mit dem Modell bisher gemachten Erfahrungen sind positiv, derzeit aber natürlich noch auf einen kurzen Zeitraum beschränkt. Daher wird die Eigenständigkeit der BSJ auhc weiterhin ein Thema bei der DSJ sein.
Der programmatische Teil der Versammlung wurde schließlich abgerundet durch ein Grundsatzreferat von Jan Pohl (Foto) zur Bedeutung der allgemeinen
Jugendarbeit für die Schachjugend.Neben der schachsportspezifischen Arbeit und dem Schulschach bildet die allgemeine Jugendarbeit die dritte Säule der Arbeit. Dem Anspruch an eine Jugendorganisation kann die DSJ, können die Landesschachjugenden letztlich nur gerecht werden, wenn sie über den Tellerrand der reinen Sportförderung hinaus schauen und begreifen, dass der Verband auch in der Verantwortung steht, die Kinder und Jugendlichen in ihrer gesamten Entwicklung zu fördern. Gleichwohl ist der Sport dabei nicht in den Hintergrund abzuschieben, denn Schach bildet bei allen Maßnahmen, sei es beim Sommerlager, den Einzelmeisterschaften oder Fortbildungsseminaren die Klammer, die alles zusammenhält und den Sinn unserer gemeinsamen Arbeit stiftet.
(Das Referat sowie der Foliensatz stehen in Kürze zum Download bereit.)
Bezeichnend für den konstruktiven und harmonischen Verlauf der gesamten Sitzung war schließlich der Schluss der Versammlung. Zum ersten Mal seit
Menschengedenken (?) schloss die Versammlung eine viertel Stunde vor der angesetzten Zeit.
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