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Chessy


Schacholympiade 2008 – Unser Untergang?

Stellungnahme der Deutschen Schachjugend zur Olympiabewerbung 2008

Schacholympiade Da haben sich die Herren in Berlin und Dresden mal wieder was Tolles ausgedacht! Eine Schacholympiade in Dresden. Da kommt dann die Weltspitze im Schach für ein paar Tage nach Sachsen gejettet und unser DSB-Präsident kann allen einmal die Hand schütteln und Erinnerungsfotos machen. Und dann, ein paar Millionen Euro und einige Partien später, sind alle wieder auf und davon und übrig bleiben nur die tollen Fotos…

Ist das Ihre Meinung?

Ok, es kann natürlich sein, dass wir nicht die gleiche Veranstaltung meinen. Denn wenn wir über die Schacholympiade 2008 in Dresden sprechen, dann sprechen wir über nicht weniger als die größte Chance für das deutsche Schach in den vergangenen und den kommenden Jahren! Die Stadt Dresden und der DSB bewerben sich hier um eine der größten Spitzensportveranstaltungen der Welt. Eine Veranstaltung, die endlich nicht einmal nur in den „gewöhnlichen“ Schachmedien präsent sein wird und die auch international Beachtung findet. Diese Veranstaltung kann unser Zugpferd sein, um die Sportart Schach in Deutschland endlich aus den dunklen Hinterzimmern der Kneipen herauszubringen. Die Schacholympiade kann uns allen helfen, Schach endlich in den Scheinwerfer der Öffentlichkeit, in das Bewusstsein der Gesellschaft zu tragen.

Die Diskussion um die Olympiabewerbung und deren Finanzierung wird derzeit sehr emotional geführt. Wir möchten versuchen, ein wenig Klarheit hier herein zu bringen.

Die „Top Fünf“ der populärsten Legenden über die Schacholympiade 2008

  1. Für jede DWZ-Auswertung eines Turniers will der DSB pro Spieler 50 Cent erheben, um die Olympiade in Dresden zu finanzieren.

    Irrtum! Die Finanzierung der Olympiade erfolgt vollständig und ausschließlich durch Sponsoren aus der Privatwirtschaft, die Stadt Dresden, den Freistaat Sachsen sowie weitere öffentliche Institutionen. Der oben genannte Olympiabeitrag von 50 Cent wird ausschließlich für Maßnahmen verwendet, die den Schachverbänden und den Vereinen insgesamt nutzen.

  2. Die Aktivitäten, die mit diesen 50 Cent realisiert werden, finden ausschließlich in der Region Dresden statt.

    Irrtum! Der Schachbund will mit diesen Aktivitäten das organisierte Schach in der gesamten Bundesrepublik voranbringen. Darum werden die Maßnahmen landesweit durchgeführt. Dazu können zum Beispiel künstlerische Wettbewerbe in der Vorbereitung auf das Event zählen. Oder auch spezielle Breitenveranstaltungen, von den Vereinen vor Ort durchgeführt und vom DSB unterstützt. Gefördert werden alle Vereine und Verbände, die Kreativität und Engagement zeigen und bis 2008 das Zugpferd „Schacholympiade“ nutzen wollen, um für das Schach und damit auch für sich selbst zu werben. Über diesen Maßnahmentopf entscheiden der Schachbund und die Landesverbände daher gemeinsam und einvernehmlich.

  3. Die Vereine müssen nur zahlen und haben nichts davon.

    Irrtum! Wir werden die Zeit bis zur Schacholympiade nutzen, um Schach in Deutschland „in Szene“ zu setzen. Erstens werden wir solche Vereine unterstützen, die die olympische Idee und die Begeisterung nutzen wollen und selbst in das Blickfeld der Öffentlichkeit treten möchten. Und zweitens wird die Schacholympiade mit ihrer großen medialen Ausstrahlungskraft eine Begeisterung in der Bevölkerung für Schach wecken, wie wir es auch bei anderen großen Sportveranstaltungen und dem Auftauchen herausragender Sportler immer wieder erleben. Auch im Schach gibt es dafür Beispiele, zum Beispiel die legendären Matches zwischen Fischer und Spasski und die Schacholympiade 1970 in Siegen. Binnen kurzer Zeit verdoppelte sich die Mitgliederzahl des DSB damals. Und davon profitieren natürlich auch die Vereine. Denn sie werden durch die Olympiade 2008 nicht nur ein höheres Ansehen genießen, sondern auch viele neue Mitglieder gewinnen.

  4. 50 Cent für den Spitzensport – und die Hobbyspieler, Schulschachgruppen, Senioren und viele andere gucken in die Röhre.

    Irrtum! Dieser Olympiabeitrag kommt allen Bereichen des Schachverbands zu Gute. Der Spitzensport profitiert zum Beispiel durch die zielgerichtete Ausbildung von erwarteten 120 neuen Schiedsrichtern – die dem Schachbund natürlich auch nach der Olympiade erhalten bleiben. Oder durch die Ausbildung eines Nachwuchsnationalteams. Aber genauso werden auch Maßnahmen im Breitenschach gefördert. Zum Beispiel durch ein Olympiacamp der Schachjugend. Und durch Grundschul- und Schulschachtage in den Landesverbänden. Insbesondere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen der Vereine werden aus diesem Fonds unterstützt. Also alles das, was das Schach in Deutschland insgesamt voranbringt und von dem alle Vereine, Landesverbände und Engagierten profitieren können.

  5. Turniere wie die Schacholympiade finden jedes Jahr viele statt.

    Irrtum! Nach den olympischen Sommerspielen und der Schwimmweltmeisterschaft ist die Schacholympiade mit rund 2500 Beteiligten und 20 Tagen Dauer die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt. Auch wenn es nicht die „echte“ Olympiade ist, so ist die Veranstaltung dennoch etwas Besonderes und transportiert wie keine andere Schachveranstaltung den „olympischen Geist“. Letztlich kommt es aber darauf an, was wir daraus machen. Ziehen alle Schachbegeisterten in Deutschland an einem Strang, wird die Schacholympiade ein wirklich herausragendes Ereignis.

Gegen eine Gebührenerhebung haben viele Schachspieler grundsätzlich Bedenken. Zu Recht, wenn diese nicht begründet werden kann. Denn wir wissen, dass viele Vereine und auch viele Schachspieler enge finanzielle Grenzen haben. Und dennoch unterstützen wir den Antrag auf Einführung eines solchen Olympiabeitrags. Weil wir glauben, dass sich uns mit der Olympiade eine einmalige Chance bietet. Um diese zu nutzen, müssen wir alle, Verbände, Vereine und jeder einzelne Schachspieler, an einem Strang ziehen. Der relativ kleine Beitrag jedes einzelnen wird in der Summe ausreichen, um zahlreiche hervorragende Ideen und Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Mit geschätzten 100.000 Euro Sondermitteln jährlich können wir gemeinsam mit Ihnen dem Schach in Deutschland zu einem neuen Stellenwert verhelfen – mit der Schacholympiade als Zugpferd.

Im Herbst wird sich entscheiden, ob Dresden vor Mitbewerber Tallinn die Nase vorn hat. Unser größtes Kapital wäre eine olympiabegeisterte Schachlandschaft in ganz Deutschland. Wir hoffen, bis dahin springt der „olympische Funke“ über und wir konnten Sie überzeugen, dass die Schacholympiade 2008 in Dresden unsere Chance ist. Sehen wir die Schacholympiade also nicht als Untergang, sondern als Aufgang!

Michael Klein

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 15.05.2004