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Dat war nix ! !
Die Europameisterschaften U10 bis U18 brachten der deutschen Delegation als beste Ergebnisse einen sechsten Platz durch Elisabeth Pähtz und einen neunten Platz durch Holger Grund, aber leider auch viele Plazierungen weiter hinten. Das Hauptärgernis dieser Meisterschaft war allerdings die Organisation.
Die diesjährige Europameisterschaft brachte den mit Erfolgen verwöhnten Nachwuchskräften der DSJ eine Enttäuschung. Oder muß man besser sagen die erwarteten Ergebnisse?
Mit einer gewissen Erwartung war die große Delegation der DSJ nach Tallin gereist, immerhin brachte man mit Fabian Döttling einen amtierenden Europameister mit und mit Elisabeth Pähtz eine Spielerin, die sich regelmäßig unter den ersten Drei plaziert. Diesmal allerdings hingen die Trauben sehr hoch, einzig die beiden Genannten konnten die ganzen neun Runde über vorne mitmischen. Die übrigen pendelten immer nur um die 50-Prozentmarke herum und erschreckend viele blieben am Ende unter dieser Marke stehen.
Aus dem Titelkampf schied Elisabeth diesmal recht früh aus, denn schon in der ersten Turnierhälfte mußte sie eine Niederlage gegen die spätere Europameisterin hinnehmen, die auch gleichzeitig die Angstgegnerin von Elisabeth ist. Trotzdem hielt sie sich weiterhin in der Spitzengruppe auf, aus der sie erst durch eine Niederlage - wieder einmal - in der Schlußrunde zurückfiel. Aber Platz sechs ist keine Enttäuschung. Sie zeigt vielmehr regelmäßig, daß sie zur internationalen Spitze in ihrem Jahrgang dazugehört!
Fabian zeigte von Anbeginn an, daß sein Europameisterschaftstitel vom vergangenen Jahr kein Zufallstreffer war. Er spielte immer in der Spitze mit und fiel erst durch Niederlagen in den Runden sieben und acht zurück. Zwar gewann er noch einmal in Runde neun, doch brachte ihn dies nicht mehr auf einen einstelligen Tabellenplatz. Insgesamt spielte er aber ein starkes Turnier. Ganz im Gegensatz zu Holger Grund, der wieder einmal seine Leistungsfähigkeiten bei einer internationalen Meisterschaft nicht aufs Brett bringen konnte. Zwar gelang ihm eine Serie von 5 Siegen und am Ende der Platz 9, doch begann er diese Serie auch erst als er mit 1 aus 4 ganz unten im Klassement stand.
Jessica Nill kam auf Platz 11, aber auch von ihr wurde mehr erwartet, der Abstand zur Spitze beträgt bei ihr ganze zwei Punkte, und in den Kampf vorne konnte sie nie eingreifen. Ähnlich erging es den anderen deutschen Mädchen und Jungen, die sich eigentlich immer nur bemühten, die 50-Prozentmarke nicht aus den Augen zu verlieren.
EM U10 w : 1. Nana Dzagnidze GEO 8,0 42,0 2. Anna Muzychuk UKR 7,0 39,0 3. Jevgenija Naidica LAT 6,5 34,0 keine deutsche Teilnehmerin EM U12 w : 1. FM Nadezhda Kosintseva RUS 7,0 39,0 2. Joanna Worek POL 7,0 34,0 3. Tamara Chistiakova RUS 6,5 32,5 6. Elisabteh Pähtz DSJ 6,0 35,0 EM U14 w : 1. FM Ana Matnadze GEO 7,0 36,5 2. Katerina Rohonyan UKR 6,5 35,5 3. Melinda Goczoe HUN 6,5 35,0 22. Anna Bardacheva DSJ 4,5 24,0 EM U16 w : 1. Ekaterina Polovnikova RUS 7,5 41,0 2. FM Iweta Radziewicz POL 6,5 34,0 3. FM Eygenija Chasovnikova RUS 6,5 32,5 25. Gundula David DSJ 4,5 20,0 EM U18 w : 1. Anna Dorofeeva RUS 7,0 34,0 2. Irina Slavina RUS 7,0 31,0 3. Lile Tsalugelashvili GEO 6,5 37,5 11. FM Jessica Nill DSJ 5,5 26,5 EM U10 m : FM Teimour Radjabov AZE 8,0 41,5 2. Davit Baramidze GEO 7,5 36,0 3. Evgeni Tomacheski RUS 6,5 29,5 kein deutscher Teilnehmer EM U12 m : 1. Ilja Zarezenko RUS 7,5 36,5 2. FM Gadir Guseinov RUS 7,0 36,5 3. Alexander Riazantsev RUS 6,5 35,5 42. Hannes Rau DSJ 3,5 22,0 EM U14 m : 1. FM Yuriy Drozdovskyy URK 7,5 36,5 2. Michael Royz ISR 7,0 36,5 3. Zviad Izoria GEO 6,5 31,5 36. Felix Gerland DSJ 4,0 26,0 EM U16 m : Alexander Kundin ISR 8,0 40,0 2. Alexandr Zakharov RUS 6,5 35,5 3. Albert Bokros HUN 6,5 35,0 47. Thomas Schuh DSJ 3,0 16,5 EM U18 m : 1. Mikheil Michedishvili Geo 6,5 37,0 2. Farid Abbasov AZE 6,5 35,0 3. FM Stelios Halkias GRE 6,5 32,0 9. Holger Grund DSJ 6,0 22,5 11. FM Fabian Döttling DSJ 5,5 31,0Europameisterschaften - ein Geschäft mit Kindern?
Wann wacht die FIDE auf ?
Das Schlimme an dieser Europameisterschaft in Estland waren aber gar nicht die teilweise enttäuschenden Ergebnisse der DSJ-Teilnehmer, sondern die skandalösen Bedingungen, unter denen einmal mehr diese offiziellen Meisterschaften stattgefunden haben. Am ersten und auch noch am zweiten Tag der EM stand die gesamte Veranstaltung auf des Messers Schneide, ein Abbruch drohte, denn alle Föderationen fühlten sich betrogen und über den Tisch gezogen.
Bei den Europameisterschaften der FIDE ist es ja leider seit einiger Zeit üblich, die Gebührenschraube immer weiter anzuziehen, obgleich die Statuten der FIDE eigentlich etwas anderes aussagen. Aber man findet ja keine Ausrichter, so wird es dann begründet, wenn wieder einmal eine Ausnahme zugelassen wird. Und das ist ja nicht ganz falsch, denn man weitet diese Meisterschaften ja auch immer weiter aus. Nachdem nun jedes Land soviele Teilnehmer wie es will entsenden kann, hauptsche es wird gezahlt, werden die Turniere immer größer, unübersichtlicher und noch schwerer zu organisieren. Doch was der Schachverband in Estland mit ihrem Turnierdirektor Ivo Nei an der Spitze in diesem Jahr boten, war reine Geschäftemacherei mit Kindern und Jugendlichen auf Kosten der nationalen Verbände.
Im Vorfeld hatte sich schon die DSJ bei Ivo Nei über die hohen Gebühren beschwert, erlaubt sind bis zu 150 $ pro Person, verlangt wurden aber 350 DM für die Spieler und für alle anderen 700 DM, doch das Antwortschreiben wies auf die Akzeptanz bei der FIDE hin. Doch auch Prof. Jungwirth, der Europapräsident in der FIDE, konnte nicht umhin, vor Ort die Arbeit der Esten zu kritisieren.
Alle Föderationen sollten für den oben genannten Betrag in einer vollkommen heruntergekommenen, verwahrlosten Unterkunft mit ungenügenden hygienischen Bedingungen bei schlechter Verpflegung untergebracht werden.
Die DSJ-Delegation weigerte sich und der Delegationsleiter Klaus Nill schnappte sich ein Taxi und begab sich auf Hotelsuche. Außerhalb von Tallin fand er ein bezahlbares Hotel, in das später viele andere Föderationen einzogen. Andere Nationen bezogen für eine Nacht die angebotene Unterkunft, teilweise bezahlten sie die dafür geforderten Beträge, um dann am nächsten Tag fluchtartig die Unterkunft zu verlassen. Einzig die dreißigköpfige Delegation der Israelis fand kein bezahlbares Hotel mehr und mußte bleiben.
Ivo Nei störte es nicht, daß die Delegationen die Unterkunft nicht bezogen, ihm ging es ja auch nur um das Geld. Das forderte er nämlich trotzdem ein und drohte allen Mannschaften mit Disqualifikation.
Klaus Nill organisierte den Widerstand der Nationen und so kam es am zweiten Tag während der ersten Runde im Beisein von Prof. Jungwirth im Freien, einen passenden Raum hatte man nicht zur Verfügung, zur Konfrontation zwischen allen Föderationen und den EM-Organisatoren. Am Ende einigte man sich auf ein Startgeld von 40 DM pro Person. Dafür waren aber auch alle anderen Kosten selbst zu tragen und die Organisation selbst zu übernehmen. Also mußten die Unterkünfte von den Föderationen gesucht und gebucht werden, mußte die Verpflegung sichergestellt werden, wobei auch Tallin schon seinen Mc Donald hat!
Ivo Nei konterte auf seine Weise: Er strich das Rahmenprogramm und den Zubringerdienst zum Flughafen, denn dafür fehlte ihm nun das Geld!
Von der FIDE forderten die Anwesenden, daß vorab von der FIDE die Bedingungen in den Ausrichterländern zu prüfen seien und härtere Maßstäbe angelegt werden müssen.
Doch wie oft hat man das schon gefordert und nichts geschah!
Also warten bis zum nächsten Debakel, und das kommt bestimmt! Vieleicht schon vom 10. bis 21. September, denn dann "organisiert" Ivo Nei die EM U20 in Tallin! Auf diese Abenteuerreise begeben sich dann Isabel Werner, Alexander Lytchak und wieder Heinz Rätsch.
Jörg Schulz
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