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Die Jugendversammlung der DSJ zu Gast in DresdenDie Sacharbeit rückt wieder in den Vordergrund
Ende März fand die jährliche Jugendversammlung der DSJ in Dresden statt. Nach zwei turbulenten Jahren, die bestimmt waren durch persönliche Machtkämpfe, durch eine inhaltliche Schwächung der Position der DSJ vor allem gegenüber den Erwachsenenverbänden, durch rechtliche Streitereien, erhoffte man sich von der diesjährigen Versammlung eine Rückkehr zur Sacharbeit.
Dieses Verlangen war jedoch nicht auf allen Seiten zu spüren. Zumindest der damalige 2. Vorsitzende der DSJ griff noch einmal tief in die Schlammkiste, bevor er seinen sofortigen Rücktritt erklärte. Durch seinen Rücktritt und die nicht mehr erfolgte Kandidatur des ehemaligen Leistungssportreferenten ist jedenfalls gesichert, dass innerhalb des Vorstandes wieder eine sachliche Arbeitsebene entsteht, die dann auch das Erscheinungsbild der DSJ wieder bestimmen wird.
Die überwiegende Mehrheit der Landesschachjugenden sah dies auch so und zeigte keinerlei Interesse mehr an den Schlachten von gestern, sondern wollte nach vorne schauen.
Dazu gab es Gelegenheit genug, denn die diesjährige Jugendversammlung verlief zweigeteilt, mit einem Samstag der inhaltlichen Arbeit in drei Arbeitsgruppen und einem Sonntag mit dem parlamentarischen Teil.
Ob diese Zweiteilung als gelungen betrachtet werden kann, wird unterschiedlich betrachtet und auf der kommenden Herbsttagung zu diskutieren sein.
Wie immer wenn Neues probiert wird, besteht erst mal Skepsis. Doch fand gerade bei den jungen Delegierten die neue Ausrichtung der Jugendversammlung Zustimmung. Von der Jugendversammlung der DSJ müssen auch Signale nach außen gesendet werden, Signale die weit über die Selbstbeschäftigung hinausgehen.
Und die Jugendversammlung versuchte inhaltlich an neuen Projekten zu arbeiten. In den drei Arbeitsgruppen wurde intensiv an folgenden Themen gearbeitet:
1. Mädchenarbeit
Abgerundet wurde der inhaltliche Samstag am Abend durch zwei Ehrungen. Die DSJ sagte Danke mit der silbernen Ehrennadel für langjährige, erfolgreiche Arbeit für das Jugendschach bei Horst Ormersbach - langjähriger Vorsitzender der Schachjugend Rheinland-Pfalz - und bei André van de Velde - amtierender Vorsitzender des Hamburger Schachjugendbundes.
2. Alkohol- und Drogenkonsum bei Jugendlichen
3. Zusammenarbeit mit terre des hommeszu 1)
Der Mädchenreferent der DSJ Frank Solf informierte über sein Projekt im Bezirk Unterfranken, wo seit gut einem Jahr beispielhaft erarbeitet wird, wie man durch gezielte Aktivitäten Mädchen für den Schachsport gewinnen kann. Nach Abschluss dieses Projekt wird in der zweiten Stufe versucht werden, die Erfahrungen aus diesem Projekt auf andere Regionen zu übertragen.Aber auch in einigen Landesschachjugenden laufen Versuche, neue Ideen zu umzusetzen. Baden entwickelte ein interessantes Lehrgangskonzept für den Mädchenbereich, Nordrhein-Westfalen suchte mit einem Mädchenschachtag die breite Öffentlichkeit und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen.
Der Arbeitskreis Mädchenschach diskutierte die verschiedenen Ansätze und tauschte unterschiedlichste Erfahrungen aus. Der goldene, neue Weg wurde nicht gefunden, dies war aber auch nicht erwartet worden. Wichtig sind vielmehr die vielen kleinen Ansätze und der ständige Erfahrungsaustausch, damit der Deutsche Schachbund in näherer Zukunft nicht nur den Verband der Sporttaucher mit noch weniger weiblichen Mitgliedern hinter sich lassen kann, sondern vielmehr auch den Boxsportverband einholt, der immer noch auf mehr weibliche Mitglieder verweisen kann als der DSB!
zu 2)
Matt dem Alkohol und Drogen heißt der griffige Slogan für eine künftige Kampagne der DSJ und der Landesschachjugenden, mit Hilfe derer versucht werden soll, den Konsum bei Jugendlichen einzuschränken, den Genuss von Alkohol und Drogen zu problematisieren und zu thematisieren.Die DSJ hat ein Positionspapier zum Thema erarbeitet, das schon 1999 auf der Herbsttagung die Zustimmung der Landesschachjugenden fand. Nun lag es als Antrag der Jugendversammlung vor und wurde mit großer Mehrheit angenommen. Allerdings war auch Bestandteil des Antrages, dass sich alle Landesschachjugenden verpflichten,
a) auf möglichst allen Veranstaltungen und Meisterschaften das Positionspapier zu diskutieren und zu thematisieren,
b) es umzusetzen und für die Umsetzung Strategien zu entwickeln,
c) durch Öffentlichkeitsarbeit Aufmerksamkeit für die Problematik zu wecken.Man darf gespannt sein, inwieweit der Zustimmung auf der Versammlung für den Antrag nun auch Taten folgen werden (siehe Positionspapier).
zu 3)
Umfangreich ist im DSJ-FORUM über die Tour des hommes 1999 berichtet worden. Aus dem Mitwirken der Deutschen Schachjugend an der Tour entwickelte sich ein Kontakt zur Organisation terre des hommes, die sich weltweit um Kinderrechte und Bildungsprogramme für Kinder kümmert, der seinerseits in eine Vereinbarung zwischen terre des hommes und Deutscher Schachjugend mündete.Die Organisation terre des hommes wurde in einem hervorragenden Vortrag der Dresdnerin Uta Kruse mit ihren Aufgabenfeldern vorgestellt. Die Struktur der Hilfsorganisationen mit ihren Hunderten von örtlichen ehrenamtlichen Gruppen, die sich alle mit verschiedenen Projekten von terre des hommes beschäftigen, ergibt viele Berührungspunkte mit der Struktur der DSJ, ihren 17 Landesschachjugenden und den vielen Vereinen.
Die DSJ wird sich zusammen mit terre des hommes auf ein Bildungsprojekt wahrscheinlich in Lateinamerika verständigen und dieses Projekt in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit stellen.
Gemeinsam werden Flyer und wohl auch Plakate entwickelt, um die Öffentlichkeit auf die Zusammenarbeit aufmerksam zu machen.
In dem Arbeitskreis auf der Jugendversammlung zeigten erfreulich viele Schachjugenden Interesse an einer aktiven Mitarbeit, um die Vereinbarung mit leben zu füllen. Viele Ideen wurden entwickelt, wie und wo man aktiv für terre des hommes und das gemeinsame Projekt werben kann (siehe Vereinbarung).
Parlamentarischer TeilGestartet wurde mit den Berichten des Vorstandes und der dazu gehörenden Diskussion. Die Stimmung der Versammlung zu den "Altlasten" der DSJ zeigte sich dann deutlich bei der Entlastung, denn so wohl der 2. Vorsitzende als auch der Referent für Leistungssport wurden deutlich nicht entlastet.
Bei den turnusmäßigen Wahlen zum Vorstand ergaben sich keine Überraschungen, der Vorstand 2000 der DSJ setzt sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Michael Juhnke (Nds) 2. Vorsitzender: Patrick Wiebe (S-H) Referent für Finanzen: Markus Semmel (Hes) (Geschäftsführenden Vorstand) Nationaler Spielleiter: Norbert Lukas (NRW) Referent für Schulschach: Eckhard Lüers (Nds) Referent für Mitarbeiterqualifizierung: vakant Referent für Mädchenschach: Frank Solf (Hes) Referent für Allgemeine Jugendarbeit: Helmut Schumacher (Hes) Referent für Öffentlichkeitsarbeit: Christian Warneke (HH) Referent für Leistungssport: vakant Bundesjugendsprecher: Franziska Seel (Hes) Bundesjugendsprecher: Jan Pohl (HH) Geschäftsführer: Jörg Schulz (B)Die größte Veränderung für die DSJ in der letzten Zeit war der Verlust der Zuständigkeit für den Leistungssport. Die Jugendversammlung 1999 hoffte noch auf den Kongress des Deutschen Schachbundes, dass sich dort Mehrheiten gegen diese Entwicklung bilden würden.
Der Jugendversammlung 2000 lag nun wieder ein Antrag auf Wegfall des Vorstandsposten Leistungssportreferent vor, sie folgte ihm nicht, es fehlten an der 2/3-Mehrheit wenige Stimmen. Immer noch sitzt der Stachel tief bei den Schachjugenden, dass ein wichtiger Bereich der Jugendarbeit nicht mehr direkt von ihnen beeinflusst werden kann. Denn auch wenn die getroffenen Veränderungen im Leistungssport nur direkte Auswirkungen auf die Bundesebene haben, so folgen doch viele Landesverbände und ziehen die gesamte Leistungssportarbeit auch auf die Seite der Erwachsenenverbände. Obgleich eigentlich Leistungssportarbeit auf Länderebene Kinder- und Jugendarbeit der Altersgruppen U10 bis U17 bedeutet.
Wohl auch deshalb, und um irgendwie eine Möglichkeit der Mitsprache zu haben, fand sich nicht die 2/3-Mehrheit, um sich in die Realitäten zu finden.
Spontan auf der Versammlung fand sich kein Kandidat für das erhalten gebliebene Amt, Interesse hat aber wohl Bernd Vökler (Thü) bekundet, der nun vom Vorstand berufen werden muss.
Vakant blieb auch der Posten des Referenten für Mitarbeiterqualifizierung. Heiko Spaan (S-H) sah sich nicht mehr in der Lage, Beruf, Landesverband und Vereinsarbeit mit der Arbeit auf der Bundesebene in Einklang zu bringen und trat von seinem Amt zurück. Seine Nachfolgekandidatin Steffi Jacob (Thü) befindet sich bis zum Sommer noch in den USA, weshalb auch hier der Vorstand zu einem späteren Zeitpunkt eine nachträgliche Berufung vornehmen wird.
Im Spielbetrieb gab es zwei hervorhebenswerte Änderungen neben kleinen Korrekturen in der Spielordnung:
Die Deutsche Vereinsmeisterschaft U20 wurde auf 14 Vereine und 7 Runden CH-Turnier aufgestockt, um mehr Mannschaften aus den Schachjugenden eine Teilnahmemöglichkeit zu geben.
Eingeführt wurde eine offizielle Grundschulmeisterschaft, nachdem einige Jahre diese Meisterschaft inoffiziell durchgeführt wurde. Damit reagierte die Jugendversammlung auf den deutlichen Trend im Schulschach, in dem verstärkt Grundschulen Schach in ihr Programm aufnehmen.
Mitte der neunziger Jahre beschloss die DSJ das Programm "DSJ 2000". Nun im Jahre 2000 wurde das Grundsatzprogramm der DSJ und der Landesschachjugenden aktualisiert und den neuen Gegebenheiten angepasst. Zudem wurde der Vorstand beauftragt das Grundsatzprogramm alle 5 Jahre fortzuschreiben.
Das Grundsatzprogramm der DSJ kann in der Geschäftsstelle der DSJ (Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin, Fax.: 030/3000 78 30) angefordert werden.
Positionspapier der DSJ zur
Alkohol- und Drogenproblematik im Jugendbereich
Dresden, 25./26.03.2000
- Die Deutsche Schachjugend fordert einen Sport ohne Alkohol, Drogen und Doping.
- Die Deutsche Schachjugend bekennt sich zu den internationalen Dopingbestimmungen des Sports.
- Die Deutsche Schachjugend verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen bei ihren Veranstaltungen durchzusetzen. Zusätzlich prüft sie, ob diese Bestimmungen bei einigen Veranstaltungen zu verschärfen sind.
- Die Deutsche Schachjugend bewegt sich jedoch in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Alkohol und Drogen kaum als eine Gefahr öffentlich thematisiert werden, sondern vielmehr den Jugendlichen in einem harmlosen bis positiven Bild gegenübertreten. So finanziert der Alkohol über die Werbung zum Beispiel den Jugendlichen die Fernsehübertragungen von Sportereignissen. Der Konsum von Alkohol (und Drogen) gehört in allen Alltagsaktivitäten wie selbstverständlich dazu.
- Die Deutsche Schachjugend muss sich dieser gesellschaftlichen Situation stellen und kann - will sie ein ernsthafter Gesprächspartner für die Jugendlichen sein - keine Welt aufbauen, in der Alkohol und Drogen nicht existent sind.
- Die Deutsche Schachjugend macht es sich vielmehr zur Aufgabe, aufklärerisch innerhalb des Jugendbereiches zu wirken. Sie macht dies durch eine dauerhafte Kampagne und durch Veranstaltungen auf Jugendmeisterschaften.
- Mit diesen Maßnahmen wird den Jugendlichen vor Augen geführt, welche Gefahren durch Alkohol und Drogen für die Gesundheit, die körperliche Entwicklung und welche Probleme der Abhängigkeit entstehen können.
- Die Deutsche Schachjugend bemüht sich um einen vertrauensvollen Umgang mit den Jugendlichen und handelt dabei nach dem Prinzip "Gespräch statt Strafe". Im Vordergrund steht das Gespräch mit den Jugendlichen, der Versuch Jugendliche zu überzeugen und Gebote zu erklären. Die Strafe steht erst am Ende eines Maß-nahmenkataloges.
- Die Deutsche Schachjugend erwartet von ihren Vertretern vorbildhaftes Verhalten gegenüber den Jugendlichen.
Vereinbarung einer Verbandskooperationzwischen
terre des hommes Deutschland e.V.
terre des hommes Deutschland e.V., Ruppenkampstraße 11a, 49084 Osnabrückund
Deutsche Schachjugend, Hanns-Braun-Straße Friesenhaus I, 14053 Berlin
terre des hommes und Deutsche Schachjugend haben beschlossen, in der Arbeit für Kinder zusammenzuarbeiten und bekräftigen dies mit dieser Vereinbarung.
terre des hommes Deutschland e.V. ist ehrenamtlich organisiert mit cirka 160 Arbeitsgruppen in ganz Deutschland. Sie hat in den Mittelpunkt ihrer Arbeit den weltweiten Kampf für die Kinderrechte gestellt und bemüht sich weltweit um Bildungsangebote für Kinder, die in vielen Ländern der Welt als Arbeitskräfte missbraucht werden. terre des hommes lässt sich jährlich vom DZI in Berlin unabhängig prüfen und hat in jedem Jahr das Spendensiegel erhalten.
Die Deutsche Schachjugend ist ein ehrenamtlich organisierter Sportjugendverband mit 17 Landesuntergliederungen und cirka 25.000 betreuten Kindern und Jugendlichen in cirka 1.000 Vereinen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Förderung und Verbreitung des Schachspieles. Die Deutsche Schachjugend sieht aber auch die Bildungsarbeit für die Kinder und Jugendlichen als einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, wobei sie das Schachspiel als Teil der Bildungsarbeit betrachtet.
Beide Organisationen vereinbaren eine möglichst enge Zusammenarbeit.
Dabei verpflichtet sich die Deutsche Schachjugend, die Arbeit von terre des hommes zu unterstützen.
Gemeinsam wird ein Projekt der Bildungsarbeit von terre des hommes ausgesucht, das von der Deutschen Schachjugend unterstützt wird.
Die Unterstützung wird wie folgt ablaufen: Werbung für das Projekt in der Öffentlichkeit der Deutschen Schachjugend (Verbandszeitung DSJ - FORUM, Stellwände, Infotische auf Deutschen Meisterschaften, gemeinsamer Flyer von Deutscher Schachjugend und terre des hommes), Spendengelder akquirieren für die Projekte.
Zusätzlich informiert die Deutsche Schachjugend innerhalb ihrer Organisation über die Arbeit von terre des hommes und sucht in Zusammenarbeit mit terre des hommes den Kontakt zu den Arbeitsgruppen von terre des hommes. Gemeinsame Aktionen sind anzustreben.
terre des hommes wiederum unterrichtet ihre Arbeitsgruppen und hilft mit, Kontakte zwischen den Organisationsgliederungen der Deutschen Schachjugend und ihren Arbeitsgruppen herzustellen. Sie informiert mit Hilfe ihrer Medien über die gemeinsame Arbeit.
Die Zusammenarbeit zwischen terre des hommes und der Deutschen Schachjugend wird koordiniert bei terre des hommes durch die Geschäftsstelle in Osnabrück, bei der Deutschen Schachjugend durch die Geschäftsstelle in Berlin. Zusätzlich wird bei der Deutschen Schachjugend im ehrenamtlichen Vorstand ein Beauftragter für die Zusammenarbeit mit terre des hommes ernannt.
Die Vereinbarung ist vorerst zeitlich begrenzt auf fünf Jahre, sie kann jederzeit von einem der Partner gekündigt werden.
Osnabrück/Berlin März 2000
terre des hommes Deutsche Schachjugend Bereichsleiter Verwaltung 1. Vorsitzender Christoph Düring Michael Juhnke
Impressum DSJ-FORUMHerausgeber: Deutsche Schachjugend
http://Deutsche-Schachjugend.de/
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
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