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Deutsche Schachjugend |
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*** Presseerklärung zum Fall Peter Lichmann
Die Teilnahme Peter Lichmanns an der Deutschen Einzelmeisterschaft 2002 beschäftigt nun schon seit fast einem Jahr sämtliche Gremien im deutschen Schach.
Nachdem der AK Spielbetrieb nach sorgfältiger Prüfung Lichmann den errungenen Meistertitel auf Grund einer fehlenden Spielberechtigung wieder aberkannt hat, wird nun in Presseerklärungen des SV Werder Bremen, bei dem Lichmann spielt, versucht, das Verfahren und die Deutsche Schachjugend durch gezielte Falschinformation anzugreifen. Als Antwort darauf hat der Vorstand der DSJ folgende Stellungnahme herausgegeben.
Diese Mitteilung wird voraussichtlich die Letzte zu diesem Fall sein. Der Fall Lichmann hat trotz der, wie sich nachträglich herausstellte, eindeutigen Sachlage, die zur Aberkennung des Titels führte, bereits übermäßig viel Kapazitäten in der Organisation erfordert. Unsachliche, persönliche Angriffe auf einzelne Funktionäre der DSJ werden auch in Zukunft die Schachjugend nicht dazu bringen, Antworten auf gleichem Niveau zu geben.
Wir hoffen, dass damit die Diskussion zu diesem klaren Protestfall beendet werden kann.
Stellungnahme der DSJ zur Presseerklärung des SV Werder Bremen
Kürzlich hat Dr. Till Schelz-Brandenburg, Vorsitzender der Schachabteilung von Werder Bremen, eine Presseerklärung veröffentlicht, die nur begrenzt etwas mit den Vorkommnissen um den Ukrainer Peter Lichmann zu tun hat. Stattdessen hat er verkürzt, weggelassen und Behauptungen in den Raum gestellt.
Zuerst einmal: Die Vertreter der Bayerischen Schachjugend haben auf der Deutschen Einzelmeisterschaft 2002 Zweifel an der Startberechtigung von dem Bremer Starter in der DEM U12 angemeldet und die DSJ aufgefordert, die Startberechtigung zu prüfen. Dies ist ihr gutes Recht und ihnen nicht vorzuwerfen. Dabei spielt auch keine Rolle, zu welchem Zeitpunkt sie dies tun.
Die Probleme wären im übrigen nicht erst während der DEM zum Tragen gekommen, wenn Bremen vor der Meisterschaft die offenen Fragen um die Spielberechtigung ihres Spielers mit dem Spielleiter der Deutschen Schachjugend geklärt hätte!
Die Spielordnung der DSJ ist sehr freizügig, was das Spielrecht von ausländischen Jugendlichen betrifft. Dies liegt in der Überlegung begründet, dass es eine Aufgabe der DSJ ist, mit Sorge zu tragen, dass die ausländischen Jugendlichen schnell in unsere Gesellschaft integriert werden, und ein gutes Mittel dafür ist der Sport mit seinen Strukturen.
Natürlich sind aber auch bei einer großzügigen Regelung gewisse Punkte einzuhalten. In der Spielordnung heißt es daher:
1.4 An diesen Veranstaltungen können nur Jugendliche teilnehmen,
1. die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder seit mindestens einem Jahr ihren Hauptwohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben.2.die durch ihre Mitgliedsorganisation dem Deutschen Schachbund (DSB) gemeldet sind.
Um diesen Paragraphen 1.4 der Spielordnung geht es bei der Frage, ob Peter Lichmann spielberechtigt ist oder nicht.
Ein wichtiger Eckpunkt ist der Zeitpunkt, ab dem der Betreffende in Deutschland seinen Hauptwohnsitz haben muss. Dieser Zeitpunkt ist definiert und nicht frei wählbar. Natürlich kann es dabei zu knappen Entscheidungen kommen. Übrigens hat es früher schon Fälle in der DSJ gegeben, bei denen Spieler um ein, zwei Tage an dieser zeitlichen Begrenzung scheiterten. Aber der Feiertag 1. Mai ist halt auch der 1. Mai und nicht der 2., auch wenn dies dem Arbeitnehmer besser in seine Planung passt!
Der zweite Eckpunkt ist die Bedingung, dass man seinen Hauptwohnsitz in Deutschland haben muss. Dieser Hauptwohnsitz wurde in den zurückliegenden Jahren in ähnlichen Fällen interpretiert als Lebensmittelpunkt, den man in Deutschland haben und belegen können muss, zum Beispiel durch eine Schulbescheinigung, einen Lehrvertrag etc.
Und hier sind wir an einem entscheidenden Punkt angekommen. Wäre Dr. Schelz-Brandenburg nicht nach dem bekannten Muster vorgegangen, „ich gebe nur zu, was man mir beweisen kann“, dann hätte man in der Tat die anstehenden Fragen viel schneller und zeitnaher zur Meisterschaft klären können. Da Dr. Schelz-Brandenburg nicht an der Aufklärung der Fragen interessiert war, mussten dann halt auch die Bayerische und die Deutsche Schachjugend Fragen stellen und fast detektivische Arbeit leisten.
Zu klären waren unter anderem die Fragen, ob von einem Lebensmittelpunkt, einem Hauptwohnsitz Deutschland gesprochen werden kann, wenn ein 10jähriges Kind – dessen Familie in der Ukraine lebt - von seinen Eltern getrennt in gewissen Zeitabständen bei einem Vormund in Bremen lebt, keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland erhält, vielmehr immer nur ein zeitlich befristetes Visum bekommt, nach Ablauf dieser Frist zurück zu seiner Familie in die Ukraine reisen muss, um dort ein neues befristetes Visum zu beantragen? Kann vom Ziel Integration durch Sport gesprochen werden, wenn der Betreffende hier offiziell gar nicht leben und die Schule besuchen darf?
All die Informationen über die Visaerteilung, die Befristung, die Bedingungen über die Aufenthaltsgenehmigungen bez. Nichtgenehmigungen mussten mühselig zusammen getragen werden, da die Informationen darüber freiwillig nicht zur Verfügung gestellt wurden.
Darf man als Verein wirklich in den Vordergrund die Aussage stellen, dass es einem nur um die Förderung und das Wohlergehen des Kindes geht bei der eben gerade beschriebenen Faktenlage?
Vollkommen haltlos ist nun die Behauptung, Peter Lichmann ist nicht in den Kader aufgenommen worden, weil sich der DSB auf die Seite von Bayern gestellt hat.
Der DSB hatte keine Möglichkeit, Peter Lichmann in den Kader aufzunehmen, da bis zum heutigen Tage Peter Lichmann international für die Ukraine spielberechtigt ist und nicht für den Deutschen Schachbund. Ein Antrag auf Föderationswechsel ist bis heute nur unvollständig vom Vormund gestellt worden. Es fehlen von der FIDE dringend benötigte Unterlagen. Die Aufforderung des DSB vom September 2002, diese nachzuliefern, ist bis heute unbeantwortet geblieben!
Abschließend bleibt festzuhalten, dass es richtig und im Interesse der Teilnehmer der DEM und deren Eltern war, dass die Bayern bei der Deutschen nachgefragt haben und hinterfragt haben, wie diese Form der Jugendförderung abläuft. Ein Vorbild für die Vereine ist sie nicht, eher eine zweifelhafte Art der Nachwuchsarbeit. Denn Nachwuchsarbeit muss immer die Kinder und Jugendlichen im direkten Zusammenhang mit den Familien und der schulischen Ausbildung in den Mittelpunkt stellen und nicht die Interessen Dritter, wie begründet diese auch sein mögen.
Jörg Schulz im Auftrag des DSJ-Vorstandes
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