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Chessy

Das DSJ - Sommerlager 2003
Fulda und das größte Herz in Deutschland


Als Norddeutscher ist man plattes Land gewohnt und dazu als Hamburger höchstens 20°C mit einer richtigen Portion Nieselregen. Kein Wunder, dass Hessen mit seinen knapp 40°C eine wahre Herausforderung darstellte. Auf dem Weg zur Jugendherberge mussten mit Sicherheit um die 8.000 Höhenmeter zurückgelegt werden, jetzt ist auch der Unterschied zwischen einer Herberge und einem Gästehaus klar, geologisch einfach zu begründen, haha.
Die mit dem Auto gingen als klare Sieger aus der Anreise hervor, alle anderen verfluchten den Berg und ihr Gepäck und die höhnischen Blicke der Fahrtwind verwöhnten Weicheier. Glücklicherweise gab es keine Schattenparkplätze in der Nähe der Jugendherberge und die innerhalb von wenigen Minuten auf mindestens 50°C erhitzten Lenkräder sorgten für späte Genugtuung. Es sollte das Sommerlager der kleinen Rekorde werden, mit dem Wetter fing es an.

Fast 50 Teilnehmer kamen zum Sommerlager in Fulda Temperaturen im roten Bereich des Thermometers führen zu ungewöhnlichen Überlegungen. Wie kommt genügend Flüssigkeit in die Körper der Kinder? Die dankenswerterweise von der Jugendherberge aufgestellten Tee- und Wassertanks führten nicht zu dem erhofften Effekt, zu verlockend war die süße Stimme des Cola-Automaten im Keller. Die Ausgabeautomatik des Gerätes für Wasser der Marke „Rhön-Quelle“ muss mittlerweile verrottet sein, die für Cola und Fanta dafür ausgeleiert. Auf unseren Ausflügen sind wir dazu übergegangen, ein Begleitfahrzeug einzustellen, das erhebliche Wasservorräte transportierte, deren Verbrauch wir in regelmäßigen Abständen erst anboten, dann aufdrängten. Ich kann mich selbst daran erinnern, als Kind eine natürliche Abneigung gegen Mineralwasser verspürt zu haben. Erstens schmeckt es nicht und zweitens hat es zu viel Kohlensäure. Antwort lautete stets: Es soll auch nicht schmecken, es soll den Flüssigkeitshaushalt konstant halten und zweitens haben wir Wasser mit wenig Kohlensäure gekauft. Aber wer lässt sich bitte von so etwas überzeugen? Manchmal müssen Kinder eben gezwungen werden.
In diesem Zusammenhang hat sich Schach auch mal wieder als echte Sportart herausgestellt. Wer bitte weiß nicht, dass beim Sport getrunken werden muss? Mit Sicherheit nicht jener Marathonläufer, der in der Herberge zusammen geklappt ist, nachdem er unter praller Sonne seine hundert Kilometer gejoggt ist.

Fast fünfzig Kinder fanden in diesem Jahr den Weg zum Sommerlager, damit wurde eine Höchstmarke der letzten Jahre aufgestellt. Konnte bei den letzten Malen der Sommerlager-Cup nur in einer Turniergruppe ausgetragen werden, konnten wir in diesem Jahr die sportliche Konsequenz aus dem spielerisch sehr unterschiedlich stark besetzten Feld ziehen und drei Cups in drei Turnieren ausspielen. Die stärksten Spieler maßen sich im Meisterturnier, die Anwärter auf das Meisterturnier im Kandidatenturnier und der Nachwuchs im Basisturnier. Nach sieben Runden standen die Sieger fest. Im Blitzturnier konnten die Kinder dann auch in neu verteilter Zusammensetzung gegeneinander antreten - die sechs Besten bekamen als besonderes Bonbon die Chance, im Aufgebot der Deutschen Schachjugend gegen die Lokalmatadoren vom SC Fulda zu stehen.

Das größte begehbare Herz der Welt in der Kinderakademie der Stadt Fulda hat spätestens nach der Berichterstattung des Spiegel an Aufmerksamkeit gewonnen. Durch eine kleine Tür im rechten Vorhof, durch die Herzklappe in die Hauptkammer und dann raus - wer wollte, konnte mit Hilfe einer Feuerwehrstange in den linken Vorhof hinunter rutschen, um den kompletten Muskel zu erkunden. Alle über 1,60m großen Menschen konnten sich glücklicherweise auf die Erläuterungen der angestellten Wissenschaftlerin verlassen und mussten keinen Infarkt beim Klettern in dem letztendlich doch ziemlich verwinkelten Organ riskieren. Wer jetzt noch glaubt, das Herzklopfen wäre das Pumpgeräusch des Herzens, der sollte vielleicht selbst mal in Fulda vorbeischauen. Oder seine Haustür das eine oder andere Mal zuschlagen…
Fulda bietet eine Menge an Sehenswertem, auch wenn sich diese Dinge bei so viel Hitze nur schwer wahrnehmen lassen. Angenehmer sind bei solchen Umständen Freibad, Waldsee oder Rhön-Therme!
Die Wasserkuppe ist eine der eindrucksvollsten Erhebungen im Naturpark der Rhön. Als Geburtsort des weltweiten Segelflugs genießt dieser Berg dazu auch noch einen exklusiven Ruf. Wer sich nicht für Thermik begeistern kann, der hat glücklicherweise die Gelegenheit, Sommerrodelbahn und Rhön-Bob zu testen. Und wer rodelt nicht gern im Sommer?

Logo Irgendwann haben wir dann auch die Kinderarbeit wieder eingeführt. Steine schleppen, Holz hacken und Eisen gewinnen - diese drei Rohstoffe waren notwendig, um eine Eisenbahnlinie von der West- zur Ostküste zu bauen. Vier Teams schwitzten einen Nachmittag lang, um durch Gesangseinlagen, sportliche Kunststücke, schauspielerischen Könnens oder einfach auch nur mit Glück ein paar der dringend erforderlichen Zutaten für den Gleisbau in einem Planspiel zu ergattern.

Viel los war in diesem und viel los sein wird auch wieder im nächsten Jahr - beim Sommerlager 2004!

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 26.08.2003